Rhein-Neckar-Zeitung vom 12.09.2006

Bergfeste Dilsberg – Touristenziel mit schwindender Gastronomie
Neue Ideen und finanzierbare Konzepte sind gefragt!

(boe). Im Neckartal thront stolz auf einer Bergkuppe die historische Bergfeste Dilsberg und ist für unzählige Besucher ein lohnendes Ausflugsziel. Bereits um 1800 entstand ein Reiseführer, der die Burgenherrlichkeit des Neckartals und beim Dilsberg beschreibt. Bei der gastronomischen Versorgung der Touristen könnte es in absehbarer Zeit allerdings zu Engpässen kommen, da eine weitere Gaststätte ihren Betrieb einstellen wird und ein Café nur noch an wenigen Tagen für den Verkauf öffnet. Hier sind rechtzeitig neue Ideen und finanzierbare Konzepte gefragt.

Ortschaftsrat, die ansässige Gastronomie, Geschäftsleute und Bürger verfolgen bedenklich die Entwicklung innerhalb der Bergfeste. Bisher konnte man individuell für jeden Bedarf die passende Gaststätte zum Einkehren finden. Da zum 31. Oktober diesen Jahres der „Deutsche Kaiser“ seine Türen schließt, fehlt der Bereich der bürgerlichen Küche. Wie die Eigentümerin erklärte, hat der bisherige Pächter den Pachtvertrag vorzeitig gekündigt, weshalb sie nun die Immobilie verkaufen will und damit keinen Einfluss auf die weitere Nutzung hat.

Fragt man Einheimische so wird immer noch das ehemalige Gasthaus „Zur Burg“, eine urige Kneipe mit Gerichten für den „kleinen Geldbeutel“ vermisst. Hier befindet sich nach einer gelungenen Restaurierung vor fünf Jahren, die „Chocolaterie“, ein gemütliches Café mit einem Verkaufsraum für erlesene Schokolade und spricht damit ein ganz anderes Klientel an. Für Inhaberin Eva Heß ist inzwischen einerseits die Kapazität im gastronomischen Teil mit 25 Plätzen zu gering um der Nachfrage Herr zu werden und andererseits treiben die gestiegenen Energiekosten die Gastronomie an ihre Grenzen. Deshalb wird sie ihre Konsequenzen ziehen und das Café ab Januar 2007 nur noch für individuelle Veranstaltungen öffnen. Ausschließlich der Schokoladenverkauf wird an drei Nachmittagen fortgeführt.

Nach wie vor bedauert wird das Brachliegen der „Schönen Aussicht“. In das vormals gut gehende Hotel, wurde nach einem Besitzerwechsel viel Geld in Umbaumaßnahmen investiert und danach eine Nutzungsänderung in Appartements beantragt. Nach sorgfältigen Überlegungen wurde diese vom Ortschaftsrat abgelehnt und seit 1995 lässt der jetzige Besitzer, das von der Lage her einmalige Gebäude, leer stehen. Inzwischen verfällt es immer mehr zur Ruine und sämtliche Aktivitäten des Ortschaftsrates, um dieses zu ändern, verliefen bisher ergebnislos.

Ein weiterer Aspekt der sowohl der Gastronomie als auch den Geschäften zu denken gibt, ist die Toilettenproblematik innerhalb der Bergfeste. Auch unter der Woche zieht es viele Touristen auf den Dilsberg und immer wieder ist die verschämte Anfrage nach öffentlichen Toiletten zu hören. Diese befinden sich in der Burg und damit innerhalb des eintrittspflichtigen Bereichs, weshalb die Pächterin Helga Radmacher nur an zahlende Besucher der Burganlage den notwendigen Schlüssel aushändigt. Am Ruhetag und über die Wintermonate, wenn die Burg geschlossen ist, sind Reisenden zur Verrichtung ihrer Notdurft auf die Großzügigkeit der umliegenden Gastronomie und Geschäfte angewiesen, was laut Günter Metzger vom Gasthaus „Zur Sonne“ und Gerd Becker vom „Café Pippifax“ keineswegs eine optimale Lösung darstellt und für Engpässe sorgt. Beide Besitzer verfolgen die Entwicklung aufmerksam und versuchen gemeinsam den Touristenbedürfnissen gerecht zu werden. Die Toilettenbenutzung durch Besucher die nicht bei ihnen einkehren, tolerieren sie großzügigerweise, ebenso wie die Besitzerin der „Dilsberger Keramik“, Monika Weinert, dennoch besteht einheitlich die Meinung: „Allein ist das nicht machbar!“

Ortsvorsteher Stefan Wiltschko sowie dem Ortschaftsrat ist die Problematik bekannt und obwohl man seit Jahren Alternativen zu finden versucht, konnte bisher nichts erreicht werden. „Wenn jetzt auch noch der „Deutsche Kaiser“ schließt, dann wird es trostlos!“ war vom Ortsvorsteher zu hören.

Für die Geschäftsleute der Bergfeste steht fest, der Dilsberg ist immer einen Ausflug wert, aber damit das auch in Zukunft so bleibt, sollte man am Ball bleiben. Nicht zuletzt im Hinblick auf das bevorstehende 800-jährige Jubiläum der Dilsberger Burg im Jahr 2008, wäre es bedauerlich, wenn sich hier nicht adäquate Lösungen finden lassen würden.